
New Work – wird alles anders?
Plötzlich ist alles anders. Eine Umstrukturierung, ein neuer Markt, eine Krise, ein Wechsel in der Führung: Immer wieder werden wir aus dem geregelten Alltag gerissen und stehen vor Fragen, die erst noch beantwortet werden müssen. Mit jedem Tag schwindet die Vorstellung, dass alles bald wieder so wird, wie es vorher war. Veränderung macht sich breit. Was wir von der Mentalität hinter New Work für unser eigenes „New Life“ lernen können, liest du hier.
Was wir von New Work für unser New Life lernen können
In meiner Arbeit als Coach und Managementberaterin beschäftige ich mich intensiv mit New Work in unserer Arbeitswelt. Der Begriff steht für eine Mentalität, in der Bewegung, Lernen und Entwicklung der Motor sind. Diese Mentalität basiert auf einem festen Wertesystem. Das Konzept kann uns meiner Meinung nach wunderbar dabei unterstützen, unseren eigenen Veränderungsprozess zu gestalten und damit unser New Life zu entwickeln.
Dieser Artikel ist für alle, die in den Beobachtermodus wechseln wollen, besser begreifen wollen, was Veränderung mit uns macht, und dabei neues Wissen gewinnen wollen. Neuer Wind für neue Gedanken.
Ein Einschnitt, ob im Unternehmen oder im Leben, hat den Anschein, alles zum Stillstand zu bringen. In Wahrheit bringt er eine Menge Veränderungsdynamik mit sich. Vielen wird in solchen Phasen mehr abverlangt als je zuvor. Die Veränderungen verlangen hohe Anpassungsfähigkeit bei sich ständig ändernden Anforderungen. Es wird komplex. Hinzu kommt eine Flut an Informationen.
Die Selbstverständlichkeiten, die das System um uns herum zur Verfügung gestellt hat, fehlen plötzlich. Die Voraussetzungen, die uns sonst immer umgeben haben, verschwinden. Vorher haben wir sie kaum bemerkt, jetzt, wo sie fehlen, fallen sie auf. Darauf sind wir nicht vorbereitet und müssen trotzdem reagieren. Und wir haben noch keinen Werkzeugkasten dafür. Alles, was geschieht, muss erst begriffen, dann beurteilt und eingeordnet werden. Erst dann können wir überlegen: Was mache ich jetzt damit? Das überlastet das System.
In dieser Dynamik sind wir gedanklich mit vielen Themen beschäftigt, die uns umtreiben und stören. Denn wir Menschen richten unser Leben mit Gewohnheiten ein. 30 bis 50 Prozent unserer Handlungen bestehen aus Gewohnheiten. Dadurch sparen wir Zeit und Energie, weil wir weniger über unser Verhalten nachdenken müssen. In der Veränderung ist es eine Herausforderung, diese Gewohnheiten aufrechtzuerhalten. Sie erwischt uns so kalt, dass wir eher reagieren, statt unser Leben proaktiv zu gestalten. Das kostet Kraft. Vielleicht haben wir tausendmal gelesen, dass „die Welt im Wandel“ ist, und tausendmal ist nichts passiert. Dann erleben wir Unsicherheit und Komplexität, und es ist nicht abzusehen, wie es weitergeht.
„Wir können die Zukunft nicht voraussehen, aber wir können sie gestalten.“
Peter F. Drucker
Der Physiker und Managementberater Dr. Gerhard Wohland bringt es in einem Interview auf den Punkt: „Man kann die Zukunft nicht wissen.“ Denn die Zukunft ergibt sich weder aus der Vergangenheit noch aus der Gegenwart. Sie wird zwar in der Gegenwart hergestellt, aber durch komplexe Systeme, also immer als Kette von Überraschungen.
„Man kann durch Nachdenken die Zukunft nicht erkennen.“ Es ist eine große Versuchung, wenn man viel weiß, aus Gegenwart und Vergangenheit die Zukunft beschreiben zu wollen. Wie unsere Welt nach einer Krise aussieht, wird uns also niemand sagen können.
Was macht das alles mit dir?
Mich inspiriert es dazu, das Geschehen zu beobachten, die Situation zu begreifen und durch beides etwas Neues zu lernen.
Ich beobachte, wie schnell sich Organisationen und ganze Gesellschaften neu organisieren, neue Regeln entwickeln und Informationen zusammentragen, die hilfreich sind. Wie schnell Angebote auf neue Kanäle umgestellt werden, die eine neue Chance bieten, Zusammenarbeit zu organisieren und Menschen zu erreichen. Ein System formt sich neu.
Schnell wird mir klar, dass es darum geht, jeden Tag mehr zu begreifen, was vor sich geht, und mir ein Bild zu machen, was der Einschnitt bedeutet. Und damit schlicht zu lernen, wie wir funktionieren, wozu wir imstande sind und was die Situation aus uns herausholt. Lernen bedeutet, dass wir uns neues Wissen und neue Kenntnisse aneignen, die sich im Gedächtnis einprägen. Jeder von uns macht in solchen Phasen einen Prozess durch, der nichts anderes ist als Entwicklung.
Wofür sonst sind wir auf der Welt? Wir erleben Fortschritt.
Schauen wir uns an, was New Work dazu sagt.
New Work bedeutet im Grundverständnis, Arbeit anders zu organisieren, als wir es in den letzten Jahrzehnten erlebt haben. Doch hinter dem Begriff verbirgt sich eine Mentalität. In der Welt von New Work gilt ein Glaubenssatz:
DISRUPTION IS EVERYWHERE AND THE FUTURE IS UNCERTAIN
Was heißt das für uns Menschen? Für manche eine gruselige Vorstellung: Störung, Erschütterung, Hindernisse überall, und die Zukunft bleibt für immer ungewiss? Entspannter läuft es doch, wenn wir uns gut einrichten und alles so bleibt, wie es ist. Doch so gruselig ist es nicht.
Jede Krise zeigt uns, weniger schonend, die Wahrheit: Die Welt ist komplex, und die Veränderungsdynamik steigt mit der Komplexität. Es ist Zeit, das zu verstehen.
Wie geht New Work damit um?
Das Fundament von New Work bildet ein zukunftsorientiertes, agiles Mindset, das uns in den Zustand von Flexibilität bringt. Agil bedeutet: von großer Beweglichkeit. Menschen mit agilem Mindset denken flexibel, sind offen für Bewegung in ihrem Umfeld und nehmen Herausforderungen an.
Folgende Fragen halten Menschen mit agilem Mindset in einer Welt ständiger Disruption in Bewegung. Ersetz das Wort Hindernis gedanklich gern durch Herausforderung:
- Was kann ich dem Hindernis Gutes abgewinnen?
- Wie kann ich durch dieses Hindernis besser werden?
- Welche neuen Erkenntnisse kann mir die Auseinandersetzung mit diesem Hindernis bringen?
- Welche bisher ungelösten Aufgaben kann ich mit dem Überwinden möglicherweise gleich mit lösen?
Was fällt auf? Alle Fragen zielen auf das Individuum selbst. Es geht darum, was ICH denken, erkennen, tun, lernen und lösen kann. Das ist Selbstwirksamkeit, kein Anzeichen direkter Abhängigkeit. Verantwortung und Lösungsorientierung stehen im Fokus, weniger der Gedanke an Gefahr, Verlust oder Ausgeliefertsein. Ist das nicht spannend?
Bei New Work geht es darum, schnell auf Veränderungen einzugehen und dadurch Erfahrung und Wissen weiterzuentwickeln. Damit kommt Bewegung ins Spiel. Aber was gibt Sicherheit in dieser Bewegung?
Werte als Orientierung im Spiel der Veränderungen
Werte sind die ethische Basis unseres Lebens. Sie geben Orientierung für Denken und Handeln und damit Spielregeln, Entscheidungskriterien und einen Handlungsrahmen. Sie helfen uns, Prioritäten zu setzen, und haben die Kraft, uns in Zeiten der Veränderung Stabilität zu geben.
Das Wertesystem von New Work besteht aus folgenden Werten in der Arbeitswelt:
- Bereitschaft
- Selbstverantwortung übernehmen
- Konstante Höchstleistung
- Konsequente Termineinhaltung
- Kontinuierliche Verbesserung
- Kundenorientierung
- Offene Kommunikation bei Problemen
- Respekt gegenüber anderen
Sie sind die Basis für umfassende Wertschätzung, sich selbst und dem Umfeld gegenüber, und bilden den Rahmen für einen konstruktiven Umgang mit Herausforderungen.
Was denkst du? Lässt sich dieses Wertesystem aus der Arbeitswelt auf unser Leben übertragen?
Können uns diese Werte Halt und Orientierung in einer komplexen Welt bieten? Und was braucht es dazu?
Ich glaube, dass jeder Mensch bewusst oder unbewusst ein Fundament an Werten hat, das ihm Orientierung bietet. Das ist auch meine Erfahrung in der Zusammenarbeit mit meinen Klientinnen und Klienten. Diese Orientierung gewinnt an Kraft, wenn wir uns unserer Werte bewusst werden. Wertearbeit ist deshalb ein fester Bestandteil meines individuellen Business Coachings.
Darüber hinaus bietet das Wertesystem von New Work meiner Meinung nach einen Rahmen, der uns hilft, unsere Werte zu erweitern, damit wir unser New Life entwickeln können. Schauen wir uns die einzelnen Werte genauer an.
Bereitschaft erfordert, das Neue bereitwillig anzunehmen: Herausforderungen als Entwicklungspotenzial erkennen und bereit sein, sich selbst der Veränderung zu stellen.
Ein Mangel an Bereitschaft bedeutet, sich auf das zu fokussieren, was bewahrt werden soll. Ein Gefühl des Bedauerns, dass sich so viel ändert.
Widerstand gegen das, was passiert, erfordert eine Unmenge an Kraft. Ist es wahrscheinlich, dass wir den Kampf gewinnen, wenn sich alles um uns herum ändert? Nein.
„Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“
(Albert Einstein zugeschrieben)
Selbstverantwortung übernehmen heißt, das eigene Handeln zu priorisieren und Gedanken der Abhängigkeit zu überwinden.
In diesem Wert liegt der Fokus auf dem eigenen Handeln. Wir entwickeln etwas aus uns selbst heraus, statt auf den Impuls oder gar Hilfe von außen zu warten. Dabei hilft eine Haltung der Neugierde: ausprobieren, Neues versuchen, Ergebnisse erzielen, die wieder zu neuem Wissen führen. Dazu gehört auch, es als eigene Verpflichtung anzunehmen, mit dem eigenen Handeln zur Gestaltung der Zukunft beizutragen.
Konstante Leistung bedeutet, in Gleichmaß und Stabilität Bewegung zu erzeugen und diese Bewegung trotz Widerständen, Dynamik und Veränderlichkeit aufrechtzuerhalten.
Puh, jetzt wird es ungemütlich. Wir sind ja keine Maschinen, sondern Menschen.
Ich finde jedoch, dass dieser Wert für das New-Life-Mindset als konstanter Gestaltungswille stehen kann. Neues zu gestalten erfordert Kraft. Wenn sich der Wert Konstanz in uns verankert, gibt er uns Orientierung, diese Anstrengung anzunehmen. Es geht um gleichmäßigen Einsatz und die stabile, kontinuierliche Ausrichtung auf das Neue. Dass wir uns von der Anstrengung nicht entmutigen lassen, sondern sie als Entwicklung hin zu etwas Besserem annehmen.
Konsequenz bedeutet, unbeirrbar und entschlossen zu bleiben und die Schritte weiterzuverfolgen, die sich als gut erwiesen haben.
Dieser Wert verankert die Eigenschaft, an neuen Ansätzen dranzubleiben, die sich aus dem gestalterischen Handeln ergeben. Das bringt mit sich, dass wir mit Willensstärke und Mut Neues wagen. Und dass wir uns nicht so schnell beirren lassen.
Kontinuierliche Verbesserung heißt, in Zusammenhängen gleichmäßig weiterzuentwickeln: lernen, erkennen, Fehler nach und nach ausschließen, Erfahrungen machen. So verbessern wir Dinge, Verhalten und Vorgehensweisen fortlaufend.
Kundenorientierung ist die Ausrichtung auf die Bedürfnisse anderer. In der Arbeitswelt geht es darum, Produkte zu entwickeln, die Kunden einen Mehrwert bieten.
Übersetzt auf unser Leben und Wirken geht es darum, mehr auf die Bedürfnisse anderer zu achten, sie zu respektieren und daran mitzuwirken, dass das Leben für alle besser wird. Dieser Wert ließe sich als Gemeinsinn, more WE, not ME, für unser New Life übersetzen.
Offene Kommunikation bei Problemen bedeutet die Aufrichtigkeit, sich mit Personen, Fragen und Problemen unvoreingenommen und konstruktiv auseinanderzusetzen. Wenn in einer komplexen Welt Neues entsteht, hilft die Anerkennung, dass der Einzelne nicht alles wissen kann, ja, dass selbst sein Fachwissen allein nicht mehr ausreicht. Aber wir können Wissen teilen und uns gegenseitig unterstützen, es weiterzuentwickeln. Dazu gehört, das als normal anzusehen, uns nicht schwach zu fühlen und nicht allein verbissen an Problemen festzuhalten. Sondern eine Haltung einzunehmen, die einen vielfältigen Austausch anstrebt und uns auf das nächste Level bringt.
Respekt gegenüber anderen bedeutet Anerkennung und einen wertschätzenden Umgang mit unserem Umfeld. Eine Haltung, die für den simplen Gedanken steht: DU BIST OK, ICH BIN OK.
Unterschiede nicht bewerten, vielfältig denken, uns gegenseitig einbinden und in der Entwicklung unterstützen.
Fazit
Der Entwicklungsprozess zum New Life braucht eine großzügige und flexible Grundhaltung: uns selbst, unseren Mitmenschen und dem Prozess gegenüber.
Wir müssen unsere eigenen Ressourcen, unser Wissen und unsere Lösungskompetenz nutzen und ausbauen. Neue Sicht- und Handlungsweisen aufdecken und nachhaltig passende Lösungen für uns und unser Umfeld entwickeln.
Stell dir vor, was das für dich bedeuten könnte.
Wenn du das Neue bereitwillig annimmst und in den Prozess einsteigst, mit dem Ziel, die Entwicklung proaktiv zu gestalten. Wenn du dabei bewusst Selbstverantwortung übernimmst und konsequent, mit konstantem Gestaltungswillen, die Kraft aufbringst, auszuprobieren und zu lernen, wie es weitergehen kann. Für dich und für dein Umfeld. Wenn du offen mit Herausforderungen umgehst und dich mit anderen austauschst, in einem wertschätzenden und anerkennenden Miteinander.
Jeder Mensch ist Experte seines Lebens – auch du
Ich weiß aus meiner langen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Menschen, dass jeder Mensch Experte seines Lebens ist. Was uns den Mut gibt, uns bereitwillig an die Gestaltung der Zukunft zu machen, ist unsere innere Überzeugung, dass es sich lohnt. Und das Vertrauen in uns selbst, dass wir es können.
Aus der tiefen Überzeugung und den Werten, die im Kern unseres Wesens verankert sind, erwachsen Integrität und Selbstloyalität. Damit lassen sich handlungssicher und zuversichtlich neue Möglichkeiten und Strategien entwickeln. Für uns und unser Umfeld.
Mit Vertrauen die Zukunft gestalten
Komplexität hin, Herausforderungen her. Findest du auch, dass sich das Konzept von New Work auf das New Life übertragen lässt? Ich finde es ungemein hilfreich, denn es bietet ein Wertefundament als Orientierung, eine Haltung der Neugierde und ist eine Entscheidung für Bewegung, um einen Mehrwert zu schaffen. Und es ist eine Entscheidung gegen das Abwarten, dass sich die Dinge von allein regeln. Wir sind gewiss zufriedener, wenn wir die Zügel selbst in die Hand nehmen und uns in den Zustand versetzen, zu gestalten und zu lernen.
Die Initialzündung dafür ist VERTRAUEN. Es gibt uns den Mut, ins Handeln zu kommen, den Fortschritt voranzutreiben und die Energie, uns in Bewegung zu setzen.
Das Wort VERTRAUEN dient mir dabei als Struktur. Jeder Buchstabe steht für Themen, die helfen, ein zeitgemäßes Mindset zu entwickeln, einen Rahmen zur Orientierung zu schaffen und NEU ZU DENKEN:
- V wie Verstehen, Vision, Veränderungsbereitschaft
- E wie Erfahrung, Erkenntnis
- R wie Ressourcen, Routine, Rituale
- T wie Tun, Transformation
- R wie Raum, Reduzieren
- A wie Annehmen
- U wie Umgang
- E wie Entwicklung
- N wie Neudenken
Diese Themen sind der rote Faden in meiner Arbeit mit Menschen im Business. Wie das konkret abläuft, liest du unter Arbeitsweise. Und wenn du dich fragst, wie Veränderung in Organisationen gelingt, empfehle ich dir meinen Beitrag Veränderung – das neue Normal.
Wusstest du schon? Das chinesische Schriftzeichen für Krise besteht aus zwei Teilen: Der eine symbolisiert Gefahr oder Risiko, der andere Chance. Eine Krise ist also eine gefährliche Chance. Wenn wir die Chancen von Krisen erkennen und nutzen, können wir uns weiterentwickeln und wachsen.
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